Samstag, 24. Dezember 2011

Türchen Nr. 24 - Die große Qual der Wahl

Es ist der Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. 23 Türchen haben wir hinter uns, in denen es sowohl Partyknaller als auch sentimentale Songs für die einsamen und stillen Stunden zu hören gab.

Aber was packt man nun in das letzte aller Türchen? Eine Rockgranate, bei der man am liebsten das Hemd zerreißen und mit aufgeblasener Luftgitarre auf den Wohnzimmertisch springen möchte? Oder doch eher eine Bombastballade, bei der man einem wohligen Schauer nach dem Anderen erliegt und Freudentränen überströmt im eigenen Wintergarten sitzt und Familie und den Rest der Welt umarmen und nie wieder loslassen möchte.

Eine schwierige Frage - schließlich ist das Fest der Feste doch immer ein emotionales Hochereignis und ob es nun die leisen leisen melancholischen Zwischentöne oder eher die lauten Gefühlsausbrüche sind, ist sicherlich eine Typfrage.

Doch nicht nur die Frage, welche Songkategorie man nun nimmt, ist schwierig zu beantworten. Es ist auch die Frage, ob ich Rockfreunden nun noch neue Titel präsentiere, die wir dieses Jahr serviert bekamen (Work Of Art, White Widow?) oder ob ich mich auf die Klassiker besinne, die ich nahezu jeden Tag höre und die mir niemals langweilig werden.

Kurzum: In Türchen Nr. 24 kann nicht nur ein Song hineingepackt werden - es ist schließlich das letzte Türchen vor dem Feste. Daher wollen wir die Rocktore nun einfach mal öffnen und schauen, was sich dahinter verbirgt.

Song 1: Signal - Arms of a stranger
Über Mark (Marcie) Free habe ich schon viel geschrieben. Er ist der meiner Meinung nach beste Sänger des AOR. Die Klangfarbe seiner Stimme ist außergewöhnlich und seine wenigen Alben gehören zur Speerspitze des Genres. Daher muss Arms of a stranger des Kracheralbums Signal - Loud & Clear aus dem Jahre 1989 einfach hier hinein. Ein Kracheralbum, ein Killersong - Pflichtplatz für Türchen Nr. 24.


Song 2: Two Fires - Some things are better left unsaid
Kevin Chalfant ist ebenfalls ein ganz Großer im AOR. Sei es nun sein Mitwirken bei 707, bei Steel Breeze oder nimmt man die beiden Mordsalben von The Storm - an Chalfant geht für AOR-Fans kein Weg vorbei. Die Band Two Fires hat 2010 ihr drittes Album veröffentlicht, das meiner Ansicht nach zugleich auch das Beste der Band ist. Burning Bright ist allein wegen Lost in the song und Some things are better left unsaid ein absoluter Pflichtkauf für Rockfans. Letztere Bombastballade ist genau der Grund, warum dieses Genre so großartig ist - wummernde Schlagzeuge, dezent verhallende Gitarren und Vocals, die sich in der Ewigkeit verlieren. Ein Wahnsinnstitel, der mir dieses Jahr viel Freude bereitet hat.


Song 3: Work of Art - Until you believe
Work of Art sind seit ihrem Debut Artwork aus 2008 die neuen Hoffnungsträger für lupenreinen AOR. Dieses Jahr veröffentlichten die Jungs mit In Progress das sehnsüchtig erwartete Zweitwerk, das genau dort weitermacht, wo es 2008 aufgehört hat. Toll arrangierter AOR, den sich nach wie vor Toto-Fans mal näher anhören sollten.


Song 4: White Widow - Reckless Nights
Die australische Band White Widow hat dieses Jahr ebenfalls mit einem zweiten Album zurückgeschlagen. Geboten wurde uns ein Wahnsinnsalbum, das direkt den 80ern entsprungen schien. Ob sie nächstes Mal das Niveau tatsächlich halten können? Letztlich kann das Fans egal sein, denn angesichts von Titeln wie Reckless Nights brauchen wir für die Freudentränen Auffangeimer. Klasse!


Song 5: Outside Edge - Heaven Tonight

Den Titel hatten wir schon in der Killersongkategorie. Auch, wenn das Album More Edge schon über 24 Jahre alt ist, bin ich erst vor kurzem darüber gestolpert und bin sehr froh darüber. Mit diesem Album liegt nichts weiter als ein reinrassiger Klassiker vor - jeder Titel ist eine Wucht, einmalig und atemberaubend. Es wird Zeit für einen ReRelease, Leute!


Song 6: The Storm - Fight For The Right
Oben habe ich sie schon erwähnt: The Storm gehören mit ihren beiden Alben zu den Evergreens des AOR. Wenngleich ich ihr Debut unter dem Strich etwas stärker finde, ist auch Eye of the storm aus dem Jahre 1995 ein Fest für Liebhaber des Genres. Ganz speziell Fight For The Right ist einer jener Titel, die für mich nie langweilig geworden sind. Hier stimmt einfach alles - die Gitarrenriffs, Kevin Chalfants unglaubliche Stimme, die Chöre und die kräftigen Drums: Es ist ein Song für die Ewigkeit, den ich auch in 20 Jahren noch lieben werde. So klingt er - perfekt eingespielter AOR.


Das sind sie also - die Songs des Türchens Nr. 24, die ich unbedingt noch würdigen musste. Der Rockventskalender wäre ohne sie nicht vollständig gewesen. Welcher Song dabei euch am besten gefällt, müsst ihr selbst entscheiden.

Bleibt nur noch zu sagen: Ich für meinen Teil habe viel Spaß an dem Türchenspektakel gehabt und es hat mich sehr gefreut, dass auch Künstlerfreunde und Mitarbeiter von Labels (Greets Zorro!) auf diesen Blog aufmerksam geworden sind. Auch habe ich mich sehr über einzelne Kommentare gefreut (Thx Cameron!), die ein schönes Feedback waren.

Ich wünsche den treuen Lesern und Rockfreunden allgemein ein besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. In der Ferne kann man schon die Gitarren kreischen hören, die unser Herz auch 2012 wieder höher schlagen lassen werden...so never stop rocking!!!

Freitag, 23. Dezember 2011

Türchen Nr. 23: The Outfield - Tonight you're mine

The Outfield ist eine britische Band, deren fünftes Album Rockeye 1992 erschien.

Während ihr Debutalbum Play Deep der Band zumindest in den USA Platin bescherte, blieb ihnen dennoch der große Durchbruch verwehrt. Zwar spielten sie als Vorband für Journey und Starship, aber letztlich waren sie eher eine Band für ein kleines Publikum in Großbritannien.

Vom 92er Album Rockeye wurde der Titel Winning It All zum NBA-Finals-Titel, was für die Band durchaus ein großer Erfolg war. Der geheime Star des Albums ist jedoch meiner Ansicht nach Tonight you're mine. Leadsänger Tony Lewis verleiht dem Stück eine melancholische und traumhafte Note. Die stärker einsetzenden Gitarren sind genau das, was glanzvollen AOR auszeichnet - Tonight you're mine ist eine kleine Perle, die absolut empfehlenswert ist, auch wenn das Album dieses Niveau nicht halten kann.

Katy Perry coverte übrigens den erfolgreichsten Song von Outfield Your Love unter dem Titel Use Your Love.

2011 meldete sich die Band mit dem Album Replay zurück; der Song California Sun konnte sich in den lokalen Radiocharts gut festsetzen.

An Tonight you're mine kommt für mich dennoch nichts heran - wunderbarer AOR zum Zurücklehnen und Genießen!

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Sunstorm - Nächstes Album am 24.2.2012


Gerade noch Sunstorm im Adventskalender besprochen, da kommt schon die nächste Nachricht. Das Label Frontiers bringt das dritte Album von JLTs Sunstorm heraus. Im Fokus stehen die Songs, bei denen JLT als Background Sänger mitgewirkt hat.

Man darf gespannt sein.

Sunstorm Emotional Fire in der Vorschau

Türchen Nr. 22: Sencelled - Wild One

Über Sencelled bin ich ebenfalls vor kurzum nur durch Zufall gestoßen. Was würde man nur ohne die ach so neuen Medien machen? Man würde so vieles verpassen.

Bei Sencelled handelt es sich ebenfalls um eine aus der zurzeit sehr aktiven skandinavischen Rockszene stammende Band. Die Baandmitglieder - allesamt Jungstars - sind:

Erik Holmberg - Vocals
Fredrik Askenström - Guitar
Mattias Ohlsén - Bass
Christoffer Ahl - Drums

Die Produktion des Debuts übernahm Ricky B Delin, der sich auch schon für das Album Houston der gleichnamigen Band verantwortlich zeigte. Gerade dadurch wurde ich besonders skeptisch. Zwar war das Houston-Werk 2010 von der Presse sehr gefeiert, aber für mich waren viele Nummern schlichtweg unerträglich kitschig und damit für mich einfach nicht anzuhören. Nur, weil es melodisch ist, ist es noch lange gut. Die überschwellenden Lobhudeleien auf Houston waren und sind für mich nicht nachvollziehbar, aber Geschmäcker sind nunmal verschieden.

Die erste Singleauskopplung Breathe Out ist für mich wesentlich angenehmer anzuhören. Holmbergs Stimme erweist sich als angenehm klar und kräftig, die Abmischung ist sehr gut. Die Keyboards stehen anders als bei Houston mehr im Hintergrund - hier geht es eher um die Gitarren, was ich nicht schlecht finde.

Die Melodien auf dem Album sind beeindruckend. Es handelt sich bei Sencelled um ein Album aus der Kategorie Pink & Fluffy. Die gute Laune steht klar im Vordergrund. Die Lyrics sind banal, was uns Deutsche wohl weniger stören dürfte als 'Muttersprachler', wenn auch der Text von Tommy & Gina eher grenzwertig sind. Sei es drum: Dafür machen die Refrains eine Menge Spaß. Jeder Song hat klaren Ohrwurmcharakter.

Damit ist Sencelled für mich eine kleine Überraschung. Aus dem Nichts zaubern die Jungspunde eine Platte herbei, die in erster Linie darauf ausgerichet ist, Spaß zu bereiten.

MeldociRock-Fans sollten daher mal intensiver Probe hören. Es lohnt sich - besonders schön auch, dass Sencelled melodisch weitestgehend kitschfrei daher kommen, was man in Anbetracht des mauen Covers zuerst befürchet.

Türchen Nr. 22 steht also für Sencelled - Wild One bereit - Kopf abschalten und Spaß haben.

Türchen Nr. 21: Far Cry - Over and over (again)

Die Band Far Cry besteht seit 2006. Ihre erste Veröffentlichung High Gear kam bei der Presse insgesamt recht ordentlich an, auch wenn ich so meine Probleme mit dem Cover von Nowhere Fast habe und das die Band für mich eigentlich schon disqualifiziert. Aber so etwas muss man auch nicht überbewerten.

Optimism erschien im Mai dieses Jahres und hat tatsächlich einige sehr gute MelodicRock Tracks zu bieten. Wie es aber in letzter zeit leider öfters passiert, hat Frontsänger Mark Giovi die Band verlassen. Die Band hat mit Mike Ledesma jedoch neuen Ersatz gefunden. Ob die Band ihren durchaus erfolgreichen Weg weiter beschreiten wird, muss sich zeigen.

In Türchen Nr. 21 befindet sich der Song Over and Over (again). Durch diesen Song bin ich auf Optimism überhaupt erst aufmerksam geworden. Ein toller Titel mit hohem Ohrwurmcharakter. Viel Spaß!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Türchen Nr. 20: Street Talk - If You Say It's Over

Wie im Lichtblick #7 schon angeklungen ist, bin ich von der schwedischen Rockband Street Talk schwer begeistert. Die melancholischen Klänge und Melodien der Band und Göran Edmans wahnsinnig angenehme Stimme sind für mich ein wahrer Hochgenuss. Leider ist das letzte Lebenszeichen der Band schon etwas her: 2006 erschien das vorerst letzte Album V der skandinavischen Formation.

Jedes einzelne Album ist ein Fest für Leute, die gerne die Seele baumlen lassen und einfach abschalten wollen. Mir sind bisher nur ganz wenige Alben untergekommen, die eine solche ja fast katharsische Wirkung entfachen wie Street Talks Silberlinge.

Street Talk ist etwas für das Tagträumen, für stille Stunden, für die kurzen Auszeiten des Zurückziehens - für das aktive Ausleben der Melancholie. Sicherlich nichts für jeden Rockliebhaber, aber die Alben haben für mich einen ganz besonderen Stellenwert - ich würde sie für kein Geld der Welt mehr hergeben.

Der Song If you say it's over von ihrem 1994er Album Collaboration ist ein ganz besonderes Highlight. Allein die letzte Minute ist zum Niederknien - ganz großes Kino für Leute, die es auch gerne mal ruhig und besinnlich haben. Viel Spaß.

Ich hoffe nur, dass wir 2012 mal wieder von der Band hören werden. Es wäre zu schade drum...

Montag, 19. Dezember 2011

Türchen Nr. 19: If Only - If love could last forever

Es ist 1988. Unsere Geschichte spielt in London. Greg Hart gründet die Band IF ONLY. An Bord befinden sich Ian Edwards, Andy Stewart, Andy Ephick, Martin Chaisson und nach dem zügigen Abgang von Lorraine Bennington bedient Jackie Bodimead das Mikrofon.

Als die Demoaufnahmen zu dem Album begannen, bekam ASIA/YES Keyboarder Geff Downes einige Aufnahmen zu hören. Sichtlich begeistert äußerte er: "No UK band can play AOR that good, they must be from America." Er initiierte eine Produktion des Albums, während Greg noch Material zu ASIAs AQUA beisteuern sollte.

Kurz bevor "No bed of roses" fertig wird, verlässt Jackie Bodimead die Band - ein Disaster. Wir schreiben mittlerweile das Jahr 1991 und der Grunge ist auf dem Vormarsch - die letzten AOR-Bastionen drohen zu fallen. Aber in London eilt einer grandiosen Fronstängerin ihr sensationeller Ruf meilenweit voraus: Tina Egan. Tina tritt der Gruppe kurzerhand bei; das Album wird komplett neu eingespielt. Die neue Frau am Mikro versetzt dabei alle Beteiligten in Staunen: "With a voice of blood and thunder, she set about stamping her mark on the tracks. Tina literally shook the walls with the biggest voice we had ever heard." Leider dauerte der Release doch zu lange, der Grunge war schon zu mächtig. Der kommerzielle Erfolg stellt sich nicht ein. Und zu allem Unglück kommt dann noch der tragische Tod Tinas im Jahre 1999 dazu. Für die Band gilt sie als der Star, der sie trotz dieses famosen Albums leider nie ganz geworden ist.

Das Label Avenue of Allies erinnert mit dem ReRelease von No Bed of Roses nicht nur diesem fantastischen AOR-Blockbuster, sondern gedenkt auch der Frontsängerin von If Only, Tina Egan, indem es dem Album eine tolle Produktion und massig Bonussongs spendiert.

Türchen Nr. 19 enhält mit If love could last forever eine der zahlreichen Kracher, die No Bed of roses zu bieten hat. Viel Spaß!